Denn sie wissen, was sie tun
mit Günter Brus, Veronika Dirnhofer, Marc Henry, Barbis Ruder, Anna Vasof, Wolfgang Walkensteiner u.a.
kuratiert von Roman Grabner
Das GeberHaus zeigt eine von Roman Grabner kuratierte Gruppenausstellung, die sich mit den aktuellen und gravierenden Konfliktfeldern unserer Tage auseinandersetzt. Anhand ausgewählter Arbeiten werden die Fragen nach gesellschaftspolitischer Verantwortung und Haltung, nach dem Handlungsraum von Sprache und Bild, und der Rolle und Potenzialität von Kunst in der Gegenwart gestellt.
Wir leben in einer Zeit, in der ein Großteil der Bevölkerung nicht mehr optimistisch in die Zukunft blickt und sich angesichts gegenwärtiger Entwicklungen überfordert, hilflos und ohnmächtig fühlt. Kriege, Wirtschaftskrisen, Klimakatstrophen, Pandemien und humanitäre Ausnahmesituationen scheinen sich zu einer globalen Dauerkrise verdichtet zu haben. Die Ängste und Sorgen, die dadurch hervorgebracht werden, sind der Nährboden für nationalistische und autoritäre Tendenzen, die mittlerweile unverblümt und offen zum Ausdruck gebracht werden und die Grundrechte unserer demokratischen Gesellschaften nachhaltig bedrohen. Keiner will die Annehmlichkeiten einer freien und offenen Gesellschaft verlieren, doch die Angst vor dem Verlust von Wohlstand und Ansehen, der Leistungs- und Optimierungsdruck, der uns von den Medien aufoktroyiert wird und die vielfältigen Ablenkungen, die uns die neuen Medien bieten haben neben vielen anderen Gründen zu einer Apathie, Sprachlosigkeit und Handlungsunfähigkeit geführt. Es scheint, als wären die westlichen Gesellschaften zu Müdigkeitsgesellschaften transformiert, denen das politische Aufbegehren und gesellschaftliche Engagement abhandengekommen scheint. Aufzustehen und für demokratische Werte einzustehen, das Wort zu erheben und humanistische Ideale zu vertreten bedeutet sichtbar und damit angreifbar zu werden. Offenbar fürchten wir uns klar zu sehen und klar gesehen zu werden. Dabei haben wir in Österreich im Unterschied zu Protestierenden in Russland, China, Kenia oder dem Iran nichts zu befürchten.
„Denn sie wissen, was sie tun“ betrifft sowohl die Personen an der Macht, die mit Kalkül demokratische Prinzipien aushebeln, wie auch die Individuen auf der Straße, die für Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und die Würde des Menschen eintreten.
Die schwarze, lesbische Schriftstellerin, Aktivistin, Mutter und Feministin Audre Lorde hat 1984 geschrieben: “Dein Schweigen wird Dich nicht schützen“. Sie hat die Erfahrung aus der Vergangenheit zu einem Auftrag an die Zukunft formuliert. Lorde hatte den festen Glauben, dass Dichtung und Kunst wesentlich dazu beitragen können, geradezu revolutionär sein können, weil sie uns berühren und bewegen können und jede Bewegung das Potenzial zur Veränderung birgt. Sie hat auch klar proklamiert, dass Dichtung und Kunst kein elitärer Luxus, sondern eine Notwendigkeit sind. Die Ausstellung im GerberHaus stellt in ausgewählten Arbeiten Fragen nach gesellschaftspolitischer Verantwortung und Haltung, nach den Handlungsraum von Sprache und Bild und der Rolle und Potenzialität von Kunst in der Gegenwart.